NEWJoin 2M+ software buyers|Get Weekly Insights, Trends & Expert PicksSubscribe free →

Zeiterfassung: Software für die gesetzliche Arbeitszeiterfassung in Deutschland

Zeiterfassung ist in Deutschland keine Frage der Betriebsorganisation mehr, sondern eine Pflicht. Das Bundesarbeitsgericht hat am 13. September 2022 entschieden, dass Arbeitgeber nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet sind, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit der Arbeitnehmer zu erfassen.[^bag-1abr2221] Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fasst die Folge knapp zusammen: Die gesamte Arbeitszeit ist aufzuzeichnen, und das ist laut Gericht bereits heute geltendes Recht – Arbeitgeber dürfen nicht warten, bis das Arbeitszeitgesetz an diese Rechtsprechung angepasst ist.[^bmas-faq-zeit] Dass diese Kategorie in Deutschland ein eigenes, stark nachgefragtes Marktsegment bildet, hat also einen rechtlichen und keinen technischen Grund. Entsprechend anders sehen die Auswahlkriterien aus: Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit von Korrekturen und die Prüfung gesetzlicher Grenzen wiegen schwerer als Auswertungen und Oberfläche. Diese Seite ordnet die Pflichten, erklärt die Abgrenzungen, die im Alltag Streit erzeugen, und beantwortet die Fragen, die im deutschsprachigen Suchverlauf zu diesem Thema gestellt werden.

Wie weit die Erfassung heute verbreitet ist

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verweist auf die Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: 2021 wurde die Arbeitszeit bei 79 Prozent der Beschäftigten aufgezeichnet, 2023 bei 82 Prozent; 18 Prozent gaben 2023 an, dass ihre Arbeitszeit ihrer Kenntnis nach nicht erfasst wird.[^bmas-faq-zeit] Der verbleibende Teil ist der eigentliche Markt – und er sitzt überwiegend in kleinen Betrieben, in denen 2024 gut die Hälfte der 39,3 Millionen Beschäftigten arbeitete.[^destatis-kmu]

Zwei Abgrenzungen führen dabei regelmäßig zu Missverständnissen. Erstens ist die gesetzliche Arbeitszeiterfassung etwas anderes als die Projektzeiterfassung: Die eine belegt Beginn, Ende und Dauer des Arbeitstages, die andere ordnet Stunden einem Auftrag zu. Zweitens ist Vertrauensarbeitszeit weiterhin möglich – das Ministerium stellt ausdrücklich fest, dass eine Dokumentation der Arbeitszeit einer solchen Vereinbarung nicht im Wege steht, solange Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten eingehalten werden.[^bmas-faq-zeit]

Die Überwachung liegt nicht beim Bund. Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz sind Bundesgesetze, die Aufsicht ist jedoch Aufgabe der Länder und der nach Landesrecht bestimmten Arbeitsschutzbehörden, etwa der Gewerbeaufsichtsämter.[^bmas-faq-zeit] Für Betriebe mit Standorten in mehreren Bundesländern kann das bedeuten, dass Auslegungsfragen unterschiedlich beantwortet werden.

Zeiterfassung im Vergleich

9 Lösungen, sortiert nach SpotScore — einer Kennzahl aus Bewertungen, geprüften Erfahrungsberichten und Funktionsumfang.

  1. clockodo

    8.9 SpotScore4,2 / 5 · 6 BewertungenFree TrialSubscription

    Webbasierte Zeiterfassung für kleine Teams und Dienstleistungsbetriebe, mit Einzelaufzeichnung und einer Übersicht für Führungskräfte über die Auslastung.

  2. timeBuzzer

    8.4 SpotScore5,0 / 5 · 2 BewertungenFreemiumSubscription

    Zeiterfassung mit Aufgabenzuweisung an ortsunabhängig Arbeitende, die den Zeitaufwand je Vorgang festhält und die abrechenbaren Stunden ermittelt.

  3. Memtime

    8.3 SpotScoreFree TrialQuotation BasedSubscription

    Automatische Zeiterfassung für Windows, macOS und Linux, die Tätigkeiten in E-Mails, Programmen, Browser-Tabs und Dateien im Hintergrund minutengenau mitschreibt und als Zeitstrahl darstellt; die Daten bleiben lokal.

  4. TimeLedger

    8.2 SpotScoreSubscription

    Zeit- und Spesenerfassung mit anpassbaren Auswertungen und eigener Begriffsbildung, eingesetzt unter anderem im Bauwesen, in der Steuerberatung und im Gesundheitswesen.

  5. timeghost

    8.0 SpotScore4,9 / 5 · 32 BewertungenFree TrialSubscription

    Zeiterfassung für Beratungs- und Dienstleistungsteams im Microsoft-365-Umfeld, die Einträge aus Outlook-Kalender, Teams-Besprechungen und Planner-Aufgaben vorbefüllt.

  6. TCP TimeClock Plus

    7.8 SpotScore3,9 / 5 · 44 BewertungenSubscriptionQuotation Based

    Lösung für Personaleinsatz und Zeiterfassung mit Anbindung an ERP-, HCM- und Abrechnungssysteme sowie an eigene Zeiterfassungsterminals.

  7. Tickkl

    7.8 SpotScoreFree TrialFreemiumSubscription

    Zeiterfassung für Freiberufler und Betriebe mit Erinnerungen, Hinweisen zu Feier- und Nichtarbeitstagen sowie wöchentlichen Zusammenfassungen.

  8. timeBro

    7.8 SpotScoreFree TrialSubscriptionQuotation Based

    Zeiterfassung, die Tätigkeiten systemweit aufzeichnet, einschließlich Dateien, E-Mails und Browsern; die Daten verbleiben auf dem Gerät und lassen sich als PDF, CSV oder Excel ausgeben.

  9. 7pace Timetracker

    7.3 SpotScoreSubscriptionQuotation Based

    Zeiterfassung für Softwareprojekte auf Azure DevOps, mit Desktop- und Mobilanwendung sowie Programmierschnittstelle für die Auswertung des Projektfortschritts.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland

Die Pflicht selbst: § 3 Absatz 2 Nummer 1 ArbSchG

Das Bundesarbeitsgericht hat mit Beschluss vom 13. September 2022 entschieden, dass Arbeitgeber nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet sind, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit der Arbeitnehmer zu erfassen, für die der Gesetzgeber keine abweichende Regelung nach Artikel 17 Absatz 1 der Arbeitszeitrichtlinie getroffen hat.[^bag-1abr2221] Die Vorschrift selbst verlangt vom Arbeitgeber, für eine geeignete Organisation zu sorgen und die erforderlichen Mittel bereitzustellen.[^arbschg-3]

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ordnet die Entscheidung so ein, dass der Arbeitgeber bei unionsrechtskonformer Auslegung ein System einzuführen hat, mit dem die geleistete Arbeitszeit erfasst werden kann, und bezieht sich dabei auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 14. Mai 2019.[^bmas-faq-zeit]

Umfang und Form der Aufzeichnung

Festlegungen zum Inhalt der Arbeitszeitdokumentation sind bislang nicht getroffen worden; um die Einhaltung der Höchstarbeitszeit sowie der täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten wirksam gewährleisten zu können, muss der Arbeitgeber jedoch Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit jeder Arbeitnehmerin und jedes Arbeitnehmers aufzeichnen.[^bmas-faq-zeit] Eine Formvorschrift besteht derzeit nicht; die Aufzeichnung kann auch handschriftlich erfolgen.[^bmas-faq-zeit] Die frühere Praxis, nur die über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit festzuhalten, genügt den Vorgaben von Gericht und Ministerium nicht mehr.[^bmas-faq-zeit]

Die Grenzen, die belegt werden müssen

Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten; sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.[^arbzg-3] Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit ist eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden einzuhalten; für einzelne Bereiche wie Krankenhäuser, Gaststätten, Verkehrsbetriebe, Rundfunk und Landwirtschaft ist eine Verkürzung um bis zu eine Stunde mit Ausgleich möglich.[^arbzg-5] Genau diese Werte soll die Erfassung überprüfbar machen.

Fortbestehende Nachweispflicht nach § 16 ArbZG

Unabhängig von der Rechtsprechung verpflichtet das Arbeitszeitgesetz den Arbeitgeber, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit aufzuzeichnen und ein Verzeichnis der Arbeitnehmer zu führen, die in eine Verlängerung nach § 7 Absatz 7 eingewilligt haben; die Nachweise sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren.[^arbzg-16] Zusätzlich hat der Arbeitgeber eine Kopie des Gesetzes sowie der geltenden Rechtsverordnungen, Tarifverträge und Betriebs- oder Dienstvereinbarungen über die betriebsübliche Informations- und Kommunikationstechnik bereitzustellen oder im Betrieb auszulegen.[^arbzg-16]

Verschärfte Aufzeichnung nach § 17 MiLoG

Für geringfügig Beschäftigte sowie für Beschäftigte in den Wirtschaftsbereichen des § 2a des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes gilt eine eigene Pflicht: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sind spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzuzeichnen und mindestens zwei Jahre aufzubewahren.[^milog-17] Die für die Kontrolle erforderlichen Unterlagen sind im Inland in deutscher Sprache bereitzuhalten, auf Verlangen der Prüfbehörde auch am Ort der Beschäftigung.[^milog-17] Für Gastronomie, Bau, Speditionen, Gebäudereinigung und ähnliche Bereiche ist das der strengere Maßstab.

Mitbestimmung und Initiativrecht

Der Betriebsrat bestimmt mit bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen.[^betrvg-87] Ein elektronisches Zeiterfassungssystem fällt darunter, soweit bei der inhaltlichen Ausgestaltung noch Regelungsspielraum besteht.[^bmas-faq-zeit]

Ein Initiativrecht des Betriebsrats zur Einführung eines elektronischen Systems hat das Bundesarbeitsgericht dagegen verneint – gerade weil der Arbeitgeber bereits gesetzlich zur Erfassung verpflichtet ist.[^bag-1abr2221] Die Verhandlung dreht sich damit nicht um das Ob, sondern um das Wie.

Zeitdaten sind Beschäftigtendaten

Die Erfassung der Arbeitszeit ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten von Beschäftigten und für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses zulässig, soweit sie für dessen Durchführung erforderlich ist.[^bdsg-26] Alles, was darüber hinausgeht – Standortdaten, Tätigkeitsprotokolle auf Anwendungsebene, biometrische Merkmale zur Anmeldung – braucht eine eigene Begründung. Bei besonderen Kategorien personenbezogener Daten ist die Verarbeitung nur unter engeren Voraussetzungen zulässig.[^bdsg-26] Für die Auswahl heißt das: Erfassungsmethoden, die mehr aufzeichnen als Beginn, Ende und Dauer, erhöhen den Begründungsaufwand.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Vollständigkeit vor Bequemlichkeit

Da Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen sind[^bmas-faq-zeit], ist die entscheidende Eigenschaft, dass keine Tage ohne Eintrag bleiben. Sehen Sie sich an, wie das System einen fehlenden Eintrag behandelt: ob es ihn markiert, wen es erinnert und ob eine Führungskraft eine Übersicht offener Tage erhält. Ein Werkzeug, das Lücken stillschweigend übergeht, erzeugt genau den Nachweis, der im Streitfall fehlt.

Nachvollziehbare Korrekturen

Nachträgliche Änderungen sind im Alltag unvermeidlich – vergessene Buchungen, falsche Pausen, Dienstreisen. Prüfen Sie, ob jede Korrektur mit Zeitpunkt, Urheber und ursprünglichem Wert protokolliert wird und wer sie freigibt. Ein Zeitkonto, das sich ohne Spur überschreiben lässt, taugt weder gegenüber der Aufsicht noch im arbeitsrechtlichen Streit. Für die Mitbestimmung ist die Protokollierung zugleich ein Verhandlungsgegenstand, weil sie Beschäftigtenverhalten sichtbar macht.[^betrvg-87]

Prüfung der gesetzlichen Grenzen im System

Gute Systeme warnen, bevor eine Grenze überschritten wird, statt sie hinterher auszuweisen. Sinnvoll sind Hinweise bei mehr als zehn Stunden werktäglicher Arbeitszeit, bei Unterschreitung der elfstündigen Ruhezeit und beim Ausgleichszeitraum von sechs Kalendermonaten beziehungsweise 24 Wochen.[^arbzg-3][^arbzg-5] Klären Sie zusätzlich, ob sich Branchenausnahmen abbilden lassen, etwa die zulässige Verkürzung der Ruhezeit mit Ausgleich in Krankenhäusern oder Gaststätten.[^arbzg-5]

Erfassungswege und mobile Arbeit

Die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes gelten unabhängig vom Arbeitsort, also auch im Homeoffice.[^bmas-faq-zeit] Prüfen Sie deshalb, welche Erfassungswege das System anbietet – Terminal, Browser, Anwendung auf dem Mobilgerät – und ob eine Buchung ohne Netzverbindung möglich ist. Achten Sie darauf, ob mobile Erfassung zwingend Standortdaten verlangt: Das erhöht den Begründungsaufwand nach dem Erforderlichkeitsmaßstab erheblich.[^bdsg-26]

Delegation und Verantwortlichkeit

Nach Auffassung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kann der Arbeitgeber die Aufzeichnung delegieren, bleibt aber für die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes verantwortlich.[^bmas-faq-zeit] Ein System sollte diese Rollenverteilung abbilden: Beschäftigte erfassen, Führungskräfte prüfen, die Personalabteilung wertet aus. Sehen Sie sich an, ob Freigaben terminiert erinnert werden und ob offene Zeiträume nach oben eskalieren.

Aufbewahrung und Ausleitung

Nachweise nach dem Arbeitszeitgesetz sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren; für geringfügig Beschäftigte und die Wirtschaftsbereiche des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes gilt dieselbe Mindestdauer nach dem Mindestlohngesetz, verbunden mit der Pflicht, die Unterlagen im Inland in deutscher Sprache bereitzuhalten.[^arbzg-16][^milog-17] Klären Sie, in welchem Format sich Zeitnachweise für einen Prüfzeitraum ausleiten lassen und ob der Export den ursprünglichen Stand samt Korrekturhistorie enthält.

Anschluss an Abrechnung und Projektarbeit

In den meisten Betrieben speist die Zeiterfassung zwei Empfänger: die Entgeltabrechnung und die Projektkalkulation. Klären Sie, ob Zuschläge, Abwesenheiten und Zeitkonten in die Abrechnung übergehen und ob sich Projektbuchungen aus der Arbeitszeit ableiten lassen, statt sie doppelt zu erfassen. Wo ein Betriebsrat besteht, gehören die daraus entstehenden Auswertungen ebenfalls in die Vereinbarung.[^betrvg-87]

Betriebsart und Sicherheitsnachweis

Zeitdaten sind Bewegungsprofile im Kleinen und entsprechend schutzbedürftig. Lassen Sie sich den Verarbeitungsstandort nennen und prüfen Sie bei Cloud-Angeboten, ob ein Prüfbericht nach dem Kriterienkatalog C5 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vorliegt; der Katalog beschreibt Mindestanforderungen an die Informationssicherheit und wird von Wirtschaftsprüfern testiert.[^bsi-c5] Für den Selbstbetrieb im eigenen Rechenzentrum bleibt dieselbe Prüfung, nur in eigener Verantwortung.

Schichtmodelle, Zuschläge und Ausgleichszeiträume

In Betrieben mit Schichtarbeit entscheidet sich die Eignung an Details: ob sich Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge regelbasiert ableiten lassen, ob Schichtübergänge über Mitternacht korrekt einem Tag zugeordnet werden und ob der Ausgleichszeitraum von sechs Kalendermonaten beziehungsweise 24 Wochen fortlaufend mitgerechnet wird.[^arbzg-3] Lassen Sie sich diese Fälle mit Ihren eigenen Schichtplänen vorführen; an konstruierten Beispielen sehen alle Systeme gleich aus.

Häufige Fragen

Ist eine Zeiterfassung bei der Arbeit Pflicht?
Ja. Das Bundesarbeitsgericht hat am 13. September 2022 entschieden, dass Arbeitgeber nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet sind, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen.[^bag-1abr2221] Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigt, dass die gesamte Arbeitszeit aufzuzeichnen ist und dass dies bereits heute geltendes Recht darstellt.[^bmas-faq-zeit]
Ist die Arbeitszeiterfassung ab 2026 Pflicht?
Sie ist es seit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022. Auf die Frage, ob mit der Umsetzung gewartet werden darf, bis das Arbeitszeitgesetz an die Rechtsprechung angepasst ist, antwortet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Nein.[^bmas-faq-zeit] Offen ist bislang nur die nähere Ausgestaltung: Festlegungen zum Inhalt der Arbeitszeitdokumentation sind noch nicht getroffen worden.[^bmas-faq-zeit] Wer heute erfasst, erfüllt die geltende Pflicht und ist auf eine spätere Konkretisierung vorbereitet.
Wie muss meine Arbeitszeit erfasst werden?
Aufzuzeichnen sind Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, damit sich Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten überprüfen lassen.[^bmas-faq-zeit] Eine Formvorschrift besteht derzeit nicht – die Aufzeichnung kann auch handschriftlich erfolgen.[^bmas-faq-zeit] Für geringfügig Beschäftigte und für die Wirtschaftsbereiche des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes gilt zusätzlich eine Frist: Die Aufzeichnung hat spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages zu erfolgen.[^milog-17]
Wann beginnt die Arbeitszeit laut Zeiterfassung?
Maßgeblich ist der Beginn der tatsächlichen Arbeitsleistung, und dieser Zeitpunkt ist zusammen mit Ende und Dauer aufzuzeichnen.[^bmas-faq-zeit] Wo genau er liegt – mit dem Betreten des Betriebsgeländes, dem Anlegen vorgeschriebener Schutzkleidung oder dem Anmelden am Arbeitsplatz –, hängt vom Einzelfall und von den betrieblichen Regelungen ab. Weil Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen der Mitbestimmung unterliegen, wird diese Abgrenzung in Betrieben mit Betriebsrat üblicherweise in einer Betriebsvereinbarung festgelegt.[^betrvg-87]
Wer kontrolliert die Arbeitszeiterfassung?
In erster Linie ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass die geltenden Gesetze eingehalten werden, und er hat seinen Betrieb entsprechend zu organisieren.[^bmas-faq-zeit] Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz sind Bundesgesetze, die Überwachung ist jedoch Aufgabe der Bundesländer; zuständig für Auslegung und Anwendung sind die nach Landesrecht bestimmten Arbeitsschutzbehörden, etwa die Gewerbeaufsichtsämter.[^bmas-faq-zeit]
Ist Vertrauensarbeitszeit weiterhin möglich?
Ja. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellt fest, dass eine Dokumentation der Arbeitszeit einer Vereinbarung über Vertrauensarbeitszeit nicht im Wege steht.[^bmas-faq-zeit] Die Beschäftigten entscheiden bei diesem Modell eigenverantwortlich über die Lage ihrer Arbeitszeit; die Vorgaben zur täglichen Höchstarbeitszeit und zu den Ruhezeiten sind gleichwohl einzuhalten.[^bmas-faq-zeit] Praktisch heißt das: Die Erfassung bleibt, die Freiheit über die Lage der Arbeitszeit auch.
Gilt die Erfassungspflicht auch im Homeoffice?
Die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes gelten unabhängig vom Arbeitsort, also auch bei mobiler Arbeit und im Homeoffice; Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten sind dort ebenso einzuhalten.[^bmas-faq-zeit] Für die Softwareauswahl folgt daraus die Frage, wie die Erfassung außerhalb des Betriebs erfolgt und ob sie ohne dauerhafte Netzverbindung funktioniert. Bei verteilten Teams berührt die Ausgestaltung mobiler Arbeit zusätzlich die Mitbestimmung.[^betrvg-87]
Wie lange müssen Arbeitszeitnachweise aufbewahrt werden?
Nach dem Arbeitszeitgesetz sind die Nachweise über die über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit sowie das Verzeichnis der Arbeitnehmer, die in eine Verlängerung eingewilligt haben, mindestens zwei Jahre aufzubewahren.[^arbzg-16] Für geringfügig Beschäftigte und die Wirtschaftsbereiche des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes gilt nach dem Mindestlohngesetz ebenfalls eine Mindestdauer von zwei Jahren, verbunden mit der Pflicht, die Unterlagen im Inland in deutscher Sprache bereitzuhalten.[^milog-17]
Welches Zeiterfassungssystem ist das beste?
Die tragfähige Reihenfolge lautet: Erst Vollständigkeit, dann Nachvollziehbarkeit, dann Bedienung. Ein System muss Beginn, Ende und Dauer lückenlos abbilden[^bmas-faq-zeit], Korrekturen mit Urheber und ursprünglichem Wert protokollieren und die gesetzlichen Grenzen von acht beziehungsweise zehn Stunden und elf Stunden Ruhezeit prüfen können[^arbzg-3][^arbzg-5]. Erst danach entscheiden Erfassungswege, Auswertungen und Anbindung an die Abrechnung – und dort hängt die Antwort an Ihrer Branche und Betriebsgröße.
Welche Zeiterfassungssysteme eignen sich für kleine Unternehmen?
Für Betriebe mit wenigen Beschäftigten genügt häufig eine browserbasierte Erfassung mit Erinnerung an offene Tage, einer Freigabe durch die Betriebsleitung und einem Export für die Steuerkanzlei. Da eine Formvorschrift derzeit nicht besteht, ist der Einstieg technisch niedrigschwellig.[^bmas-faq-zeit] Prüfen Sie dennoch zwei Punkte: die Protokollierung von Korrekturen und einen Export, der einen Prüfzeitraum vollständig abbildet – beides entscheidet im Ernstfall, nicht die Oberfläche.
Gibt es kostenlose Programme zur Zeiterfassung?
Ja, sowohl als kostenfreie Einstiegsstufe kommerzieller Anbieter als auch als quelloffene Software zum Selbstbetrieb. Für die gesetzliche Erfassung ist entscheidend, ob das Programm den gesamten Arbeitstag mit Beginn, Ende und Dauer abbildet[^bmas-faq-zeit], Korrekturen protokolliert und Daten über die Aufbewahrungsfrist von mindestens zwei Jahren hinweg verfügbar hält[^arbzg-16]. Kostenfreie Stufen begrenzen häufig die Zahl der Nutzer oder die Aufbewahrungsdauer der Historie – genau die Größe, die hier zählt.
Darf der Betriebsrat die Einführung eines elektronischen Systems verlangen?
Ein über einen Einigungsstellenspruch durchsetzbares Initiativrecht zur Einführung eines elektronischen Zeiterfassungssystems hat das Bundesarbeitsgericht verneint.[^bag-1abr2221] Der Grund ist die gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers selbst: Weil er nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes ohnehin zur Erfassung verpflichtet ist, besteht insoweit kein Initiativrecht.[^bmas-faq-zeit] Beim Wie bleibt die Mitbestimmung dagegen bestehen, soweit bei der inhaltlichen Ausgestaltung Regelungsspielraum besteht.[^bmas-faq-zeit]
Reicht es, nur die Überstunden aufzuzeichnen?
Nein. Auf die Frage, ob eine Aufzeichnung entsprechend den bisherigen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes genügt, antwortet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausdrücklich mit Nein; nach der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts ist die gesamte Arbeitszeit aufzuzeichnen.[^bmas-faq-zeit] Die Pflicht aus § 16 Absatz 2 des Arbeitszeitgesetzes zur Aufzeichnung der über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehenden Stunden besteht daneben fort.[^arbzg-16]
Welche Zeiterfassungs-App eignet sich für Außendienst und Baustellen?
Ausschlaggebend sind drei Eigenschaften: Erfassung ohne dauerhafte Netzverbindung mit späterer Übertragung, eine Bedienung, die mit Handschuhen und auf kleinen Bildschirmen funktioniert, und die Zuordnung zu Einsatzort oder Auftrag. In den Wirtschaftsbereichen des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes gilt zusätzlich die Frist von sieben Kalendertagen für die Aufzeichnung sowie die Pflicht, die Unterlagen im Inland in deutscher Sprache bereitzuhalten.[^milog-17] Bei Standorterfassung gilt der Maßstab der Erforderlichkeit, denn dabei entstehen Bewegungsdaten der Beschäftigten.[^bdsg-26]
Wie oft wird die Arbeitszeit in Deutschland tatsächlich erfasst?
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verweist auf die Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: 2021 wurde die Arbeitszeit bei 79 Prozent der Beschäftigten aufgezeichnet, 2023 bei 82 Prozent, und 18 Prozent gaben 2023 an, dass ihre Arbeitszeit ihrer Kenntnis nach nicht erfasst wird.[^bmas-faq-zeit] Der Abstand zwischen dieser Quote und der geltenden Rechtslage beschreibt den Nachholbedarf, der die Nachfrage in dieser Kategorie trägt.

Quellen